Wasserwerte aus einer anderen Perspektive

Es gibt 15 Antworten in diesem Thema, welches 3.146 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (10. Februar 2015 um 17:26) ist von Delle E..

  • Hallo an alle,

    nochmal ein etwas chemisch angehauchtes Thema von mir, diesmal aber eine reine Umfrage, weil es mich gerade interessiert. :)

    Wenn wir an "gute" 'Wasserwerte','', die auf ein sauberes Becken schließen lassen und damit ein gutes Klima für unsere Fische bieten denken, sieht das meistens so aus: 'Nitrat','' und Phosphat sollten am besten so gut wie nicht nachweisbar sein.

    Diese Art von Philospohie mag den Fischen zuträglich sein, für Pflanzen ist sie alles andere als toll, das hab ich in meinem Becken bemerkt - nachdem die Reserven aufgebraucht waren ('NO3','' und PO4 können gespeichert werden) fingen die Pflanzen an zu zerfallen - und das schnell. Denn was für uns lästig ist, sind wichtige Nährstoffe für Pflanzen die sie in großem Umfang benötigen. Wegen genannter Probleme habe ich mich mal auf flowgrow ein klein bisschen in das Thema einzulesen versucht und mir brummt immer noch der Schädel, wenn ich nur dran denke.

    Ich versuche das mal halbwegs zusammmenzufassen: Es gibt Makronährstoffe, von denen viel benötigt wird. Das sind Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Nitrat, Phosphat, Kalium, Calcium und Magnesium.

    Sauerstoff und Wasserstoff sind dabei allerdings recht uninteressant, denn die sind in der Regel mehr als genug vorhanden. Kalium, Calcium und Magnesium werden i.d.R. in ausreichenden Mengen durch das Leitungswasser zugeführt (können aber auch zum Problemfall werden, wenn im regionalen Wasser nicht oder kaum existent ---> Kalium in meinem Fall oder wenn entsalztes Wasser benutzt wird).

    Kohlenstoff wird durch den Besatz (auch Pflanzen!) und die Bakterien im Filter produziert (Atmung). Nitrat wie Phosphat gelangen über das Futter ins Wasser, egal ob sie den Umweg über den Verdauungstrakt der Fische nehmen oder nicht, desweiteren werden sie durch Zersetzung von abgestorbenem Material wieder frei. Hier sind Mängel schon deutlich häufiger.

    Dann gibt es noch Mikronährstoffe, dazu zählen Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Bor, Molybdän und Chlorid. Zwar sind die benötigten Mengen hier deutlich geringer, doch wirkt sich ein Mangel genauso verheerend wie einer der Makroelemente aus. Üblicherweise kann man sie alle bequem über Volldünger abdecken.

    @Jörg hatte ja schonmal einen Thread aufgemacht, in dem er nach verschiedenen Düngern gefragt hatte, die ihr benutzt. Das möchte ich hier nicht (explizit), mich interessieren die konkreten Werte - eventuell mit einer kurzen Info, wie und ob ihr sie einstellt.

    Ich fange einfach mal an:

    Werte im Leitungswasser die relevant (für Pflanzen) sind:

    Eisen: <0,02 Mangan: <0,005 Chlorid: 11,6 Nitrat: 1,3 Kalium: 1,8 Phosphat n.n Calcium: 35,0 Magnesium: 27,4

    Anfangszeit Becken (die ersten zwei Monate): Nitrat kaum nachweisbar zwischen 0 und 1, Eisen nachdem ich bemerkt habe das die empfohlene Anfangsdosis vieeeel zu hoch war (0,6 mg/l) runter zwischen 0,1 und 0,2. Maßnahmen damals Eisenvolldünger (JBL Ferropol), sowie der Bodengrund (ebenfalls JBL) (der kein NO3 oder PO4 enthält und damit eigentich nur eine weitere Eisenversorgung ist). Pflanzenwuchs okay (wobei die Pflanzen erstmal auf submerse Blätter umstellen mussten).

    Danach kam die CO2 Anlage dazu, Pflanzen wuchsen noch besser.

    Im Dezember sind mir dann die starken Mangelerscheinungen der Pflanzen endlich mal aufgefallen, wie lange sie schon mangelten weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich mir daraufhin einen NPK Dünger zugelegt (NPK Booster von Dennerle) und Nitrat auf 5mg/l eingestellt. Theoretisch ist dabei auch noch eine definierte Menge Kalium und Phosphat in Wasser gekommen, aber PO4 wird so schnell aufgenommen, dass es nicht messbar ist und Kalium hab ich keinen Test für. Ansonsten blieb alles beim alten. Pflanzenwuchs daraufhin vor allem bei den schnellwachsenden wieder besser.

    Danach kamen noch Düngekugel á la selbstgemacht für die Echinodoren, die daraufhin nochmal ihr Wachstum steigerten.

    Heute habe ich die Dosis NPK von 5mg/l Nitrat auf 10 mg/l Nitrat angehoben, weil bei mir diverse Algen rundgehen, die laut Flowgrow von zu wenig verfügbarem Nitrat herrühren bzw. einem Nährstoffungleichgewicht. Bin mal gespannt wies weitergeht.

    Wie siehts bei euch und euren Pflanzen aus?

    Liebe Grüße, Caro

  • Uiiii Caro,

    was ein langer Aufsatz. Du machst dir wirklich viele Gedanken. Dann also auch mal meine vielen Gedanken dazu. :)

    Gegenfrage zu:

    Wie siehts bei euch und euren Pflanzen aus?

    Warum hat der dümmste Bauer die dicksten Kartoffeln?

    Meine Theorie dazu ist folgende:
    Er lässt wachsen, was wachsen will und lässt sein, was nicht wachsen will.

    Andererseits
    gibt es ja auch noch das Düngelehregesetz vom alten Liebig, welches sinngemäß besagt, dass ein Nährstoff nur in einem ausgewogenem Verhältnis verfügbar ist. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein Nährstoff nicht verfügbar wird, wenn ein Zuviel eines anderen Nährstoffes vorhanden ist.

    Erfahrungsgemäß:
    Die meisten Probleme in der Aquaristik hatte ich, als ich anfing, mich mit Mengenangaben von Nährstoffen und Symtomen von Krankheiten zu beschäftigen. ;)

    Zurück zu meiner Ausgangsgegenfrage:
    In der Literatur werden (vor allem zur Nachzucht) oft 'Wasserwerte','' der Heimatgewässer angegeben. Dabei vergisst der Aquarianer aber oft, dass er möglicherweise versuchen sollte, auf sein eigenes Ausgangswasser (Leitungswasser) zu schauen.
    Ein Beispiel:
    Was den 'PH','' Wert angeht, wird oft ein schlimmer Fehler begangen, wenn versucht wird, zur Zucht Heimatbedingungen zu schaffen. Denn wird ein Fisch in einem Wasser von PH 7,5 gehalten, bedeutet eine PH-Änderung auf PH 6,5 schon einen 10 mal stärkeren Säuregehalt des Wassers. Ein PH Wert von 5,5, der oft bei Schwarzwasserfischen in freier Wildbahn gemessen wird, bedeutet aber einen hundert mal stärkeren Säuregehalt des Wassers!

    Für mich hat sich irgendwann die Notwendigkeit des Kompromisses in den Fokus meiner Betrachtungen gestellt. Danach habe ich nicht mehr versucht, mit großem Aufwand bestimmte Wasserwerte zu erreichen, sondern versuche seit dem die Gegebenheiten bei mir zu Hause als Grundvoraussetzung anzusehen. Wenn ich heute einen Fisch nachzüchten will, dann halte ich ihn in Leitungswasser und verändere nur geringfügig die Parameter und das funktioniert meistens sehr gut.

    Bei den Pflanzen ist es ähnlich. Ich schaue, was will in meinem Garten (Wasser) wachsen und was geht gar nicht. Ich gebrauche zwar für die nachgefüllte Wassermenge nach einem 'WW','' einen standard Flüssigdünger und stecke auch mal eine Pille an meine 'Echinodorus','', aber das alles, ohne weiterhin zu messen, denn ich bin überzeugt davon, dass mir die Pflanzen selbst signalisieren, was sie benötigen.

    Abschließend meine Schlussthese:
    Das Messen der Wasserparameter, um eine Vermutung zu untermauern ist richtig und wichtig.
    Das Messen, um mal zu schauen, was gegeben ist, birgt die Gefahr, dass ich Gespenstern nachjage und Probleme schaffe, indem ich sie bekämpfen, bzw. beheben will.

    Medizinstudenten haben auch erst einmal all die Krankheiten, die sie später heilen wollen (sinngemäß nach P. Watzlawick).

    In diesem Sinne frohes Schaffen und
    viele Grüße

    Delle

  • Hi Delle ;) ,

    Zitat

    Das Messen der Wasserparameter, um eine Vermutung zu untermauern ist richtig und wichtig.Das Messen, um mal zu schauen, was gegeben ist, birgt die Gefahr, dass ich Gespenstern nachjage und Probleme schaffe, indem ich sie bekämpfen, bzw. beheben will.

    Punkt :t( !

    Gruß
    Sascha

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